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Nicht jede Aufgabe kostet Energie

Ich weiss noch genau, wann die erste Idee zum Digital Working Coach entstand.

Eine sehr gute Freundin sagte zu mir: „Ich muss noch meine Steuererklärung machen. Ich habe überhaupt keine Lust und es ist noch so viel zu tun. Kannst du nicht etwas entwickeln?“

Dieser Satz liess mich nicht mehr los.

Nicht wegen der Steuererklärung. Sondern weil er etwas beschreibt, das wir wahrscheinlich alle kennen. Es gibt Aufgaben, die wir immer wieder verschieben. Nicht, weil wir sie vergessen. Nicht, weil wir sie nicht können. Sondern weil sie etwas in uns auslösen.

Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir auf, dass wir Aufgaben fast immer nach denselben Kriterien bewerten. Ist sie wichtig? Ist sie dringend? Wie lange dauert sie? Wann muss sie erledigt sein?

Das ist sinnvoll. Aber es reicht nicht.

Kaum jemand fragt sich, welche Wirkung eine Aufgabe eigentlich auf ihn hat.

Dabei erleben wir diese Wirkung jeden Tag. Es gibt Tätigkeiten, die uns Energie geben. Andere kosten uns Kraft. Manche erledigen wir gerne, obwohl sie anspruchsvoll sind. Andere schieben wir tagelang vor uns her, obwohl sie vielleicht nur wenige Minuten dauern würden.

Die Aufgabe selbst ist dabei oft gar nicht entscheidend.

Entscheidend ist, welche Bedeutung sie für uns hat und wie sie auf uns wirkt.

Genau daraus entstand die erste Idee zum Digital Working Coach.

Nicht aus dem Wunsch heraus, eine neue Aufgabenverwaltung zu entwickeln. Davon gibt es bereits genügend. Mich interessierte vielmehr die Frage, was passiert, wenn wir Aufgaben zusätzlich danach bewerten, ob sie uns Energie geben oder Energie nehmen.

Nicht einmal.

Sondern immer wieder.

Denn erst über die Zeit entsteht ein Bild. Erst dann werden Muster sichtbar. Man erkennt, welche Tätigkeiten motivieren, welche dauerhaft Kraft kosten und wie sich das im Laufe der Zeit verändert. Vielleicht verändert sich dadurch nicht nur die Reihenfolge der Aufgaben. Vielleicht verändert sich der Blick auf den eigenen Alltag.

Für mich war das ein entscheidender Gedanke.

Der Digital Working Coach soll keine Entscheidungen treffen. Er soll auch keine Entscheidungen abnehmen. Er ersetzt keinen Coach, keine Lehrperson, keine Fachperson in der Arbeitsintegration und auch keine Führungskraft. Er versteht sich als digitales Werkzeug, das Menschen dabei unterstützt, ihre eigenen Zusammenhänge besser zu erkennen.

Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Entwicklung fast nie dadurch entsteht, dass jemand sagt, was richtig oder falsch ist. Sie entsteht dann, wenn Menschen selbst erkennen, warum etwas funktioniert oder eben nicht funktioniert.

Genau dort beginnt aus meiner Sicht Selbstmanagement.

Nicht als Methode.

Nicht als Technik.

Sondern als Fähigkeit, sich selbst immer besser kennenzulernen.

Deshalb geht es beim Digital Working Coach auch nicht in erster Linie um Arbeit. Die Grundidee ist überall dieselbe. Ob jemand seinen privaten Alltag besser organisieren möchte, sich beruflich neu orientiert, eine Ausbildung macht, sich nach einer Krankheit Schritt für Schritt wieder Belastbarkeit aufbaut oder junge Menschen auf ihrem Weg begleitet – immer geht es darum, die eigenen Zusammenhänge besser zu verstehen.

In der Arbeitsintegration kann das bedeuten, gemeinsam mit einer Fachperson zu erkennen, welche Tätigkeiten Stabilität geben und welche dauerhaft überfordern. In einer Schule oder Berufsfachschule kann sichtbar werden, unter welchen Bedingungen Lernen leichter fällt und wann Motivation verloren geht. Im Sport gehören Belastung und Regeneration seit jeher zusammen. Im Familienalltag erleben Eltern und Kinder jeden Tag, dass dieselbe Aufgabe für zwei Menschen eine völlig unterschiedliche Wirkung haben kann.

Der Digital Working Coach liefert darauf keine fertigen Antworten.

Er schafft die Grundlage dafür, dass jeder seine eigenen Antworten finden kann.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zu vielen digitalen Systemen. Sie versuchen, Menschen effizienter zu machen. Der Digital Working Coach verfolgt einen anderen Gedanken. Er möchte Menschen dabei unterstützen, sich selbst besser zu verstehen.

Denn intrinsische Motivation entsteht nicht durch eine Software.

Sie entsteht, wenn wir Fortschritte erkennen, Zusammenhänge verstehen und erleben, dass wir unseren eigenen Weg selbst gestalten können.

Wenn der Digital Working Coach dazu einen Beitrag leisten kann, dann hat er seinen Zweck erfüllt.

Ulrich Michels
Entwickler des Digital Working Coach
Geschäftsführer der Michels Solutions GmbH

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